Wirtschaft

Die deutsche Autoindustrie im Rückwärtsgang

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Die deutschen Autohersteller verkaufen weniger Neuwagen, der Handelsstreit bremst den Export. Der Branchenverband sieht ein “prall gefülltes Lastenheft”.

Weniger Produktion, weniger Export. Die deutschen Autobauer treten kürzer.

Dieselkrise, Handelsstreit, CO2- Regulierung, WLTP-Umstellung, Abkühlung in China, Zukunftsinvestitionen, Brexit – die deutsche Autoindustrie muss in diesem und im kommenden Jahr aus vielerlei Gründen kürzer treten. Von einem „prall gefüllten Lastenheft“ sprach Bernhard Mattes, Präsident des Automobilverbandes VDA, am Mittwoch in Berlin.

Im laufenden Jahr würden in Deutschland 3,4 Millionen Neuwagen zugelassen, ein Prozent weniger als im Rekordjahr 2017. Ähnlich viele dürften es im kommenden Jahr werden. „Wir haben es aller Voraussicht nach auch 2019 mit einem Jahr des Übergangs zu tun“, sagte Mattes.

Auch drei Jahre nach Bekanntwerden des VW-Skandals kämpfen die Hersteller noch mit sinkenden Diesel-Marktanteilen. Doch der VDA ist optimistisch, dass Dieselwagen mit der neuen Abgasnorm Euro 6d-temp, die auch auf der Straße sauber sein sollen, die Verunsicherung der Kunden beenden wird. „Wir sind auf der Zielgeraden bei der Lösung des Problems“, sagte Mattes auch mit Blick auf die Verbesserung der Stadtluft. Gut zwei Drittel aller Pkw-Neuzulassungen seien Euro6d-temp-Fahrzeuge, es gebe inzwischen 1200 Diesel- und Benziner-Modelle mit dem neuen Standard.

CO2-Pläne für Lkw “nicht umsetzbar”

Mattes warnte davor, die Branche zu überfordern. Würden weniger Diesel (NOx-Emissionen) verkauft, steige der Anteil der Benziner und damit die CO2- Emissionen. Hier aber greife eine zu strenge, „unrealistische“ Regulierung in Brüssel. Die von der EU-Kommission geplante CO2-Regulierung für Lkw (minus 35 Prozent bis 2030, minus 20 Prozent bis 2025) sei „nicht umsetzbar“.


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Zu spüren bekommen die Autobauer auch die Folgen des Zollstreits – etwa zwischen den USA und China. Weil zudem der chinesische Absatzmarkt abkühlt, sinkt der Export deutscher Autos. 2018 werden vier Millionen Fahrzeuge ausgeführt, acht Prozent weniger als im Vorjahr. Entsprechend weniger Autos werden dieses Jahr hierzulande produziert: 5,1 Millionen (minus neun Prozent). Auch der der Auto-Weltmarkt stagniere, sagte Mattes. Wie im Vorjahr werde er 2018 rund 85 Millionen Fahrzeuge umfassen, im nächsten Jahr dann um etwa ein Prozent auf 85,9 Millionen zulegen.

Die Gespräche der BMW-, Daimler- und Volkswagen-Führung mit US-Präsident Donald Trump nannte Mattes „nicht unüblich“. Er begrüße, dass sie in konstruktiver Atmosphäre stattgefunden hätten. Die Branche hofft, dass Trump keine hohen Importzölle einführt.

Die Importeure steigern ihren Marktanteil auf geschätzte rund 39 Prozent. Sie werden 2018 nach Einschätzung des Branchenverbandes VDIK rund 1,33 Millionen Autos (2017: 1,31 Millionen) verkaufen.

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