Wirtschaft

Frau Meng und das Börsenbeben

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Die Festnahme der Huawei-Finanzchefin in Kanada lässt die Märkte abstürzen. Der Fall könnte den Handelsstreit neu entfachen.

Thronfolgerin. Meng Wanzhou könnte ihren Vater bei Huawei beerben.

Am gleichen Abend, an dem US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Buenos Aires bei argentinischen Steaks und Rotwein zusammensaßen und danach verkündeten, eine Einigung gefunden zu haben, die neue Strafzölle der USA auf chinesische Importe für 90 Tage aussetzt, wurde in Kanada eine Frau verhaftet, die auf den ersten Blick nichts mit den Handelsstreitigkeiten zu tun hat. Zumindest nicht direkt. Meng Wanzhou sitzt im Vorstand des chinesischen Technologiekonzerns Huawei. Sie hat dort gleich zwei hochrangige Posten inne: zum einen ist sie Finanzchefin, aber auch stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Ihre dritte Rolle im Unternehmen ist zwar privater Natur, spielt aber dennoch eine große Rolle für die Zukunft von Huawei. Meng ist die Tochter des Gründers Ren Zhengfei. Sie wird in der Branche als Nachfolgerin auf seinen Posten gehandelt.

Huawei ist zwar kein börsennotiertes Unternehmen, doch die Aktienmärkte in Hongkong brachen auf die Nachricht der Inhaftierung hin dennoch um 2,5 Prozent ein. Auch die anderen Börsen brachen ein: Der Dax ist unter 11 000 Punkte gefallen – den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Auch die Wall Street verlor deutlich, denn es stellt sich die Frage, ob der erst am Wochenende vereinbarte 90-tägige Burgfrieden zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsnationen unter den neuen Vorzeichen eingehalten wird. Der Fall könne deshalb die Handelsgespräche zwischen den USA und China entgleisen lassen, warnte Professor Jia Wenshan von der Chapman-Universität in Kalifornien.

Peking ließ durch die chinesische Botschaft in Kanada verkünden, dass sie „entschiedenen Widerspruch“ gegen die Festnahme von Meng einlegt. Hintergrund der Festnahme ist Insidern zufolge der Verdacht auf Verstöße gegen US-Sanktionen. Laut Medienberichten soll es dabei um Strafmaßnahmen gehen, die gegen den Iran verhängt worden sind.

Das Besondere in diesem Fall ist, dass der internationale Haftbefehl und das Auslieferungsersuchen an die kanadischen Behörden direkt aus Washington kommt. Denn Meng soll in den USA vor dem New Yorker Bundesgericht angeklagt werden. Sowohl der kanadische Ministeriumssprecher Ian McLeod als auch Meng selbst wollen zur Festsetzung nichts sagen. Sie selbst war es sogar, die eine Mediensperre verhängen ließ, bis es am Freitag zu einer Kautionsanhörung kommt. Auch wenn bisher keine genauen Gründe genannt sind, kursiert der Vorwurf, Meng habe gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen. Die 46-Jährige ist im Vorstand einer Tochtergesellschaft von Huawei, die mit dem Iran zusammenarbeitet. Ob gegen sie nun deswegen ein Auslieferungsantrag vorliegt, ist nicht gewiss.

Australien und Neuseeland schließen Huawei beim 5G-Netzausbau aus

Klar ist, dies ist der nächste Schlag aus den USA, der Huawei als ärgsten Konkurrenten der amerikanischen Netzbetreiber, wie Cisco und Juniper, mit voller Wucht trifft. Zu groß ist die Gefahr, dass die Chinesen aufholen und dann die so wichtigen Märkte wie Europa streitig machen. Seit April schon ermittelt das US-Justizministerium gegen Huawei. Die Amerikaner wollen Huawei beim 5G-Netzausbau global aus dem Markt drängen. So ähnlich, wie sie nun Kanada zur Festsetzung und Auslieferung gedrängt haben, haben die USA auch die Behörden in Europa aufgerufen, Huawei aus Sicherheitsgründen nicht zu beauftragen. Denn Huawei verkauft nicht nur Smartphones weltweit, sondern hat sich vor allem im Ausbau von Mobilfunknetzen einen Namen gemacht. Und schneller als die Amerikaner entwickelt das chinesische Unternehmen die 5G-Technologie. Es wird unterstellt, dass Daten, die über die kritische Internet- und Kommunikationsinfrastruktur des 5G-Netzwerks laufen, nicht sicher seien – mit anderen Worten: Peking hört dann immer mit. So zumindest die Warnung aus Washington. Auch Australien und Neuseeland verzichten beim 5G-Netzausbau nun auf Huawei-Technik. Hierzulande sieht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) keine Bedenken. Und auch sonst haben sich die US-Anschuldigungen zu den Spionagevorwürfen trotz zahlreicher Untersuchungen nicht bestätigt.

Bisher musste Huaweis Konkurrent ZTE, auch ein Technologieunternehmen aus China, schmerzlich erfahren, was es bedeutet, ins Visier des US-Handelsministeriums zu gelangen. Unter dem Vorwurf, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben, hat ZTE keine Mikroprozessoren in den USA mehr erhalten, zwischenzeitlich drohte gar der Bankrott. Erst nach der Intervention von Chinas Staatschef Xi Jinping und der Zahlung einer saftigen Strafe von über einer Milliarde US-Dollar einigten sich die US-Behörden mit den Managern von ZTE.

Nun steht Ren mit dem Rücken zur Wand. Seine Tochter ist zwischen die Fronten der beiden wichtigsten Handelsmächte der Welt geraten. Er selbst zum Spielball zwischen Trump und Xi. Nur dieses Mal geht es nicht um Arbeitsplätze und Vorsprung, sondern auch um die eigene Familie. Meinungsseite

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